Zuhörender Gast
Klaus von Wagner beschreibt sich in Bosettis Woche, als “Zuhörender Gast”. Eine wundervolle Beschreibung. Zumindest für mein Verhalten, wenn ich auf größere Menschen-Gruppen treffe, mich unter fremden Menschen befinde und in neuen Umgebungen lande.
Höre ich zu Beginn überwiegend nur zu. Nicht um die Stimmung aufzunehmen, die erfasse ich schon in den ersten Millisekunden, wenn ich einen Raum betrete oder auf Menschen treffe. Nein, ich bin kein Mensch, der laut ist, der sich in den Mittelpunkt stellen möchte. Ich dränge mich in Gesprächen nicht auf. Das bedeutet nicht, dass ich nicht zu höre, im Gegenteil.
Jedoch muss ich mir erst meinen Beitrag zum Gespräch überlegen und dann die passende Stelle finden, an der ich es wichtig genug halte, dass ich meine Meinung/ mein Wissen beitrage.
extra 3 – Bosettis Woche: #105 Walgesang und Männergefühle mit Claus von Wagner
Neurodivergent
Unter https://bulletjournal.com/blogs/bulletjournalist/wellbeing-driven-productivity-through-the-lens-of-neurodiversity ist vom Weg zu lesen, wie es ist, wenn Mensch selbst Dinge anders wahr nimmt, als das Umfeld und die Erkenntnis wächst, dass man neurodivergent ist.
Und ich muss sagen, in vielen Punkte erkenne ich mich, nicht diagnostiziert, wieder.
Wenn Sie mich online oder persönlich treffen, erleben Sie jemanden, der effizient, organisiert und kontrolliert ist. Und ich bin es. Aber die Energie, die ich auf diese Weise aufwende, um mich zu präsentieren, ist enorm. Ich werde auch selbstbewusst und sozial erscheinen – ich habe keine Probleme, eine Rede auf einer Konferenz zu halten; aber wirf mich in eine intensive, persönliche soziale Situation mit nur wenigen Leuten, und ich bin ein Wrack für Tage danach.
Ständige Erschöpfung ist meine größte Herausforderung, aber es ist auch einer der Gründe, warum ich Strategien entwickelt habe, um mir zu helfen, produktiv zu sein – mehr für diejenigen in einem Moment.
Neben dem Erschöpfungsproblem bin ich geräuschempfindlich – ich habe Mühe, mich in Gegenwart von Klängen zu konzentrieren, die ich nicht gewählt oder geschaffen habe. Manche Geräusche sind schlimmer als andere, zum Beispiel, jemand, der mit sich selbst isst oder mit sich selbst spricht.
Ich erlebe einen ständigen inneren Monolog – mein Gehirn ist nie still, also bin ich schrecklich in Achtsamkeit und Meditation. Ich nehme die Dinge auch wörtlich. Diese und viele andere “Unterschieben” machen mich ängstlich ... hallo, generalisierte Angststörung.
Übersetzt durch die Übersetzungsfunktion im Firefox
Auch ich höre immer wieder, dass ich selbstbewusst, ruhig und zielstrebig wirke. In den meisten Situationen bin ich das auch. Es strengt mich jedoch so sehr an. Nach einem normalen Tag, kann ich, wenn ich nach Hause komme, noch mit meiner Frau reden, zu mehr reicht meine Energie nicht mehr. Noch ein Telefonanruf und es wird schon schwierig.
Lärm – oh ja, auch der kostet Kraft. Nachbarn, die laut reden, die Musik hören, die Straße – all das kann ich kaum ausblenden und stressen mich. Im Restaurant höre ich, worüber sich am Nebentisch, rechts und links, unterhalten wird. Nicht, weil es mich interessiert, ich kann es einfach nicht ausblenden. Letzte Woche, waren wir bei einer Inszenierung von Macbeth. Das Ensemble nutzte an mehreren Stellen im Stück, ein Stilmittel, das ich als maximale Reizüberflutung beschreiben würde. Ist der Text von Shakespear schon an sich nicht einfach zu verstehen, wurde es mir unmöglich, als an mehreren Stellen der Bühne gesprochen, gesummt, Instrumente gespielt wurden.
Den inneren Monolog hatte ich schon weitaus ausgeprägter. Es gelingt mir inzwischen tatsächlich zu meditieren und Achtsamkeit zu üben. Am besten, wenn ich gezielt einen achtsamen inneren Monolog führe. Im Rahmen meiner Therapie lernte ich bzw. wurde mir durch meinen Therapeuten erst einmal klargemacht, dass meine Gedanken nicht zwangsläufig richtig sind. Die können auch komplett falsch liegen.
BulletJournal
Gerade beim Einordnen meiner Gedanken half mir das Schreiben sehr. Mit Füller brachte ich handschriftlich meine Gedanken zu Papier. Schrieb zu Beginn bis mein Kopf ruhig war. Alle Gedanken notiert waren.
Ende 2025 kam ich mit der #BulletJournal Methode in Kontakt. Hatte ich es vor ein paar Jahren schon ein Mal versucht. Gab ich ihr eine neue Chance. Und ich war dieses Mal wohl bereit sie langfristig einzusetzen.
Bin ich doch eigentlich ein Mensch, der in kurzen Abstände die Methoden sein Leben zu organisieren wechselt. (Was ich weiterhin kann, ein BulletJournal ist ja sehr flexibel.)
Beim “BuJo” ist für mich der große Vorteil, dass ich alles, was mir in den Kopf kommt, erst mal notieren kann. Erst später ordne ich es dann, oder markiere es als erledigt bzw. sinnlos. Außerdem habe ich immer eine Liste der Dinge, die erledigt werden sollen, kann auswählen und als erledigt markieren. Ich bin nicht planlos, was ich zu tun habe bzw. überfordert von der großen Menge an Dinge, die anstehen.
Jetzt bin ich viel effektiver. Muss ich mir die vielen Aufgaben nicht mehr merken, sie stehen in meinem BulletJournal und ich kann dort jederzeit nachsehen.
Trotzdem passiert es mir, dass ich Dinge vergesse.
RSS-Abo-Demenz
Jetzt wird es kurz etwas nerdig.
Vor ein paar Monaten bin ich mit meinen Social Media Aktivitäten auf meine eigene Friendica Instanz gewechselt. Friendica bietet die Möglichkeit unterschiedliche Timelines mittels Kanäle aufzubauen. Wie in meinem Beitrag Friendica 2.0 beschrieben, konnte ich diese, nach ein paar Anpassungen, uneingeschränkt nutzen. So hatte ich damals den durchaus sinnvollen Gedanken, dass ich von großen Medienhäusern, die RSS-Feeds anbieten, diese per Friendica abonniere und in einem eigenen Kanal einbinde.
Letzte Woche scrollte ich durch meine RSS-Reader-App und vermisste eben diese Feeds. War mir doch komplett meine erdachte Vorgehensweise, die eigentlich sehr passend ist, entfallen.
Vielleicht ein Zeichen.
Tag des Buches
Passend zum Tag des Buches am 23.4. gönnte ich mir das Buch Federleicht

Wie oben schon geschrieben habe ich in den letzten Jahren die positive Wirkung des Schreibens für mich entdeckt. Um dies für den geneigten Lesenden nicht ganz so negativ ausfallen zu lassen, kann es nicht schaden, wenn ich mich etwas intensiver mit der Schreiberei beschäftige.
Derzeit bin ich auf der Suche nach einem passenden neuen Arbeitsplatz. Nachdem ich schon über 20 Absagen bekommen habe, überlegte ich mir, ob nicht das erste Schriftstück, dass ich in Angriff nehmen sollte, mein Anschreiben ist. Vielleicht ist unkonventionelles erfolgreicher?