Bargeld
Herr Buddenbohm richtet einen Appell an alle Verkäufer in seinem Blogbeitrag Anmerkungen zum Zahlungsverkehr/ fasst er die Gefühlslage der Kunden so zusammen:
Wir wissen nicht, was an welcher Kasse in diesem Land möglich ist. Wir können und wollen es auch nicht wissen, wir möchten das nicht listenmäßig auswendig lernen. Weder möchten wir es parat haben, noch möchten wir so etwas kundig erahnen. Wir haben keine Neigung zu irgendeiner vorauseilenden Mitwirkung. Wenn Sie an einer Kasse stehen oder sonst wie Geld einnehmen, dann sparen Sie sich um Gottes willen sämtliche pikierten Blicke bei auf welche Art auch immer zahlungswilligen Kundinnen.
Hatte ich zufällig ein ähnliches Erlebnis am Montag dieser Woche. Wie ein Mensch, der sein Leben im Griff hat, habe ich zum Wintersaisonausklang meinen Wintermantel in die Reinigung. Zusammen mit einem Sakko rief die Verkäuferin einen Preis von 22,80 € auf. Kurzer Blick in meinen Geldbeutel. Meine Entscheidung: “Mit Karte, bitte.” “Nein, hier nicht.” War die Erwiderung der Dame an der Kasse. Und dann begann die Suche in Taschen, Nischen und allem wo sich Münzgeld so verbergen kann. Als ich unter anderem mit 1, 2, und 5-Cent-Münzen den Betrag von 2,70 € zusammen hatten. Sagte die sehr nette Dame, dass das so in Ordnung ist. Sie notierte bezahlt auf dem Abholschein, ich reichte ihr die Münzen und wartete, dass sie mir den Beleg gibt. Und wartete, und überlegte. Warum wollte sie mir den Schein nicht geben? Fehlte noch was? Es war Montagmorgen und ich von der Situation sowieso ganz leicht überfordert.
Nicht ganz so überfordert, wie ich es noch vor Monaten oder ein paar Jahren gewesen wäre. Da war es für mich problematisch einen neuen Laden zu betreten, mich in unbekannte Situationen zu begeben. Hatte ich Sorge, dass ich mich falsch verhalte, nicht den Konventionen, die in so einer Lokalität herrschen, entsprechend verhalte. Mich blamiere. Meine Antwort darauf war ein Mix aus Vermeidungstaktik und Kompensation. Bis sich die Konfrontation nicht mehr vermeiden ließ und ich irgendwann mich stellte. Noch gut erinnere ich mich, dass zu Beginn meiner Autofahrerkarriere der Besuch einer Tankstelle, zum Zwecke des Kraftstoffnachfüllens, in diese Kategorie gehörte. Irgendwann musste ich. Es bedarf genauer Vorbereitungen und Vorüberlegungen. Wo befindet sich der Tankdeckel? Wie rum muss ich mein Auto neben die Zapfsäule manövrieren und welcher Kraftstoff ist der richtige. Als ich mich überwunden hatte, mich auf dieses Abenteuer einzulassen. Gut ist auch immer, wenn Menschen mit dem gleichen Anliegen zugegen sind, bei denen ich mir das Richtige vorgehen abschauen konnte. Auf jeden Fall hatte ich mir eine Zapfeinrichtung erobert und diese in meinem Erfahrungsschatz freigeschaltet. Griff die nächste Strategie. Suchte ich für die Zukunft nach Möglichkeit immer dieselbe Einrichtung auf. Hatte ich doch Sorge, dass in anderen Tankstellen die Verhaltenskonventionen abweichend sind.
Zurück zu der Situation in der Wäscherei. Langsam dämmerte es mir, worauf noch gewartet wurde. Hatte ich bisher lediglich 2,70 € über den Tresen gereicht. Zu meinem Glück (wobei die Situation unproblematisch war, im Gebäude gegenüber befindet sich ein Bankautomat.) fand sich noch 20 € in Scheinen in meiner Geldbörse.
Bevor ich 4 Tage später aus der Express-Wäscherei einen sauberen und frisch duftenden Mantel abholen konnte nutzte ich einen besonderen Moment zum:
Innehalten
Vor wenige Monaten musste ich mit meinem inneren Kritiker in einen ernsten Dialog gehen. Machte er mich doch regelmäßig nieder, wenn ich an einem Tag nur einen Termin oder To-do zustanden brachte.
Daher war dieser eine Tag in dieser Woche, an dem ich nicht nur meine Reha-Maßnahme hatte, sondern einen Arzttermin und noch einen Termin beim Optiker. Mit dazugehörenden Fahrtzeiten mit der Bahn.
Und so passierte es, dass ich mich an diesem Tag auf einer wunderschönen Bank inmitten einer schwäbischen Altstadt wiederfand und mich fragte. “Wann saß ich zum letzten Mal, zwischen zwei Terminen, alleine auf einer Bank? Musik auf den Ohren, die mich von der Außenwelt abschottet und zufrieden?”
Ein herrliches Gefühl. Vielleicht noch bestärkt dadurch, dass der Psychiater kurz zuvor mir mitteilte, dass meine Behandlung erfolgreich beendet ist und er mich nur noch außerhalb der Praxis zum kurzen Grüßen sehen will.
Mit diesem zufriedenen Gefühl, nutzte ich die Zeit vor meinem Optiker-Termin, bei dem es um eine Gleitsicht-Sonnenbrille, zu einem kurzen Besuch eines Drogeriemarktes.
Dunkle Vernetzung
Felix schreibt über textbasierte vernetzung. Am Ende stellt er die These auf:
diese „dunkle“ (also nicht ohne weiteres trackbare) vernetzung durch „private kanäle“ sollte man gerade in der heutigen (sozial-) medienlandschaft nicht unterschätzen. ob wir freaks, also ins internetschreibende, da eine signifikante rolle spielen ist eine ganz andere frage
Für mich ist Vernetzung ein sehr schwieriges Thema. Offline fast noch schwieriger, wie Online. Daher ist es bei mir auch schwierig wirklichen private Kanäle zu sprechen über die ich Themen, Links usw. weiter gebe. Derzeit sind es überwiegend Stellenausschreibungen, die ich gesendet bekomme, und die ich versende, wenn ich etwas finde, von dem ich denke, dass es passend ist für die eine oder andere in meiner Maßnahme.
Dachte ich beim ersten Lesen noch, von dem, was Felix in dem Post beschreibt, trifft mich ja überhaupt nicht. Wollte ich mich gedanklich schon wieder als Außenseiter darstellen? Aber eigentlich gehöre ich schon dazu, wenn mir auch der Teil mit der Vernetzung nicht einfach fällt.
Digital naives
Bin ich wirklich so ein Computer-Nerd?
Kurz eine andere Frage ist ein Nerd ein negativer Begriff?
Nun zu der Situation, die mich zu der Eingangsfrage führte. Ein Mensch in meinem derzeitigen Umfeld hatte eine große Menge E-Mails zu bearbeiten. Machte dies per Weboberfläche des Anbieters und war dementsprechend beschränkt in den Aktionen. Meine Frage, ob das Nutzen eines lokalen Mailprogramms und der Abruf via POP3 bzw. SMTP für sein Problem eine einfachere Lösung wäre, verursachte fragende Blicke und löste “Internetsuchgeräusche” aus. Ist es tatsächlich möglich Anwendungsentwickler zu werden und von diesen, in meinen Augen grundlegenden Dingen noch nichts gehört zu haben?
Menschliches beim Spaßhaben
Vor ca. 35 Jahren ging ich mit einer Tüte Disketten von einem älteren Bekannten nach Hause. Darin befand sich für mich ein wahrer Schatz. Unzählige Spiele für den Amiga 500, den ich von meinem Bruder vermacht bekommen habe. Meine Leidenschaft für Simulationen erwacht. Rennspiele, Flugsimulator, North and South, Winter-/ Sommergames das war meine Welt. Bis heute. Ebenfalls bis heute hat sich mir die Welt des vernetzten Spielens nicht erschlossen. Für mich ist das Spielen am PC. Zeitvertreib und Entspannung.
Um so mehr verstörte und erstaunte mich der Bericht über die Welt von World of Warcraft, zumindest wie sie sich für manche Menschen darstellt. Da treffen sich Menschen, um Spaß beim Spiel zu haben. Was passiert stattdessen. Ausgrenzung, menschliche Abgründe, Egoismus statt Team-Spirit. Da verhalten sich Gilden wie Vereine mit all den damit verbundenen Abgründe. Gestaltet sich der Spielspaß, wie das richtige Leben. Nichts ist mit dem Abtauchen in andere Welten, verbergen sich doch hinter den Wesen dort, die gleichen negativen Charaktereigenschaften, wie in der realen Welt, oder werden sie durch das Spiel noch verstärkt?
Psychiater Influencer
Und dann war da noch der Spezialtipp meines Psychiaters. Auf meine Beobachtung, dass ich wieder beginne, schlechter einschlafen zu können meinte er, da hat er was ganz Besonderes. Ich solle mir Magnesium bisglycinate kaufen. Nicht irgendwelche Kombipräparate oder was anderes. Genau das. Er würde das auch nehmen und Magnesium, wenn ein Mangel besteht, dass sich der Herzmuskel und andere Muskeln entspannen und damit eine generelle Entspannung im Körper möglich ist.
Meine Suche im Internet führte mich auf wenige seriöse Seiten, auf denen ich mir Nahrungsergänzungsmittel kaufen möchte.
Also suchte ich eine Apotheke auf.
Apotheker: “Ah sie wollen das Magnesium, das gerade so gehypt wird?”
I: “Was ist der Unterschied zu den Präparaten, die es schon Jahrzehnte gibt?”
A: “Die Bioverfügbarkeit. Das bisglycinate wird eben schneller resorbiert. Sie müssen jedoch von dem Präparat, dass ich da habe auch 3 Tabletten auf einmal nehmen.”
Muss am Ende jeder selbst wissen. Ob er auf Trends und Hypes rund um die Gesundheit aufspringt...